100.000+Familien ohne Wahl

In Kolumbien, Peru und Bolivien. Gefangen zwischen Kartellen und dem Staat.

Über 100.000 Familien in Kolumbien, Peru und Bolivien bauen Koka an. Nicht weil es profitabel ist - Bäuer:innen bekommen 70 Cent pro Gramm, das in Berlin für 80€ verkauft wird. Sie bauen es an, weil sie keine Wahl haben. Keine Straßen. Keine Käufer:innen für legale Ernten. Bewaffnete Kartelle vor der Tür.

Zwei Seiten, keine gute

Die Käufer:innen

Bewaffnete Gruppen - Kartelle, Disidencias, paramilitärische Nachfolger - kontrollieren den Ankauf. Der Preis ist nicht verhandelbar. Wer woanders verkauft, stirbt.

Der Staat

Jahrzehntelang sprühten Hubschrauber Glyphosat - bis die WHO es 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" einstufte und Kolumbien die Luftsprühungen verbot. Die Koka starb. Die Kochbananen auch, das Gemüse, die Obstbäume. Das Substitutionsprogramm? Warteliste, Jahre. Und wer auf der Liste steht, darf trotzdem nicht pflanzen, was Käufer:innen hat.

Wer baut an

  • Nasa, Emberá, Awáindigene Völker, deren Land nie richtig ihr Land war. Kein Kataster, keine Titel, keine Kredite für legale Landwirtschaft.
  • Afro-kolumbianische Gemeindenim Pazifik-Tiefland. Acht Stunden mit dem Boot bis zur nächsten Stadt. Bananen verfaulen, bevor sie ankommen.
  • Vertriebene Kleinbauernvom Konflikt aus ihren Dörfern getrieben, neu angesiedelt in Gebieten ohne Straßen.

Die Rechnung

80 Euro kostet das Gramm in Berlin. Bäuer:innen bekommen 70 Cent. Für die Blätter, die Ernte, das Risiko.

Das Risiko bleibt unten

Verhaftung, wenn die Armee kommt. Glyphosat-Sprühflüge, die alles vergiften. Drohungen, wenn die Lieferung nicht stimmt. Der Gewinn geht nach oben. Das Risiko bleibt bei denen, die am wenigsten verdienen.

Freie Wahl?

Ein Sack Kaffee bringt vielleicht 2 Euro pro Kilo - wenn es eine Straße zum Markt gibt. Gibt es oft nicht. Kakao: ähnlich. Kochbananen? Keine Käufer:innen kommen so weit.

Koka hat einen Vorteil: Die Käufer:innen kommen zu dir. Auf Maultieren, wenn es sein muss.

Wer trägt die Verantwortung: Die Bäuer:innen in Kolumbien oder die Leute am anderen Ende der Kette, die das Geld haben?

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Quellen für diese Seite

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